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Oeko-Tex® Standard 100

Oeko-Tex® Standard 100 ist ein Verbraucher-Siegel und steht für sogenanntes „Textiles Vertrauen – Schadstoffgeprüfte Textilien“. Es soll dem Kunden Sicherheit auf der Suche nach ökologisch sinnvollen Produkten vermitteln. Doch kritische Kunden glauben nicht alles unbesehen und daher lohnt es sich, dieses Verbraucher-Siegel als Bestandteil eines Matratzen Test einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die genaue Definition von Oeko-Tex® Standard 100

Eingeführt wurde dieses Prüf- und Zertifizierungssystem von der Internationalen Gemeinschaft für Forschung und Prüfung auf dem Gebiet der Textilökologie. Es beinhaltet sämtliche Verarbeitungsstufen für textile Roh-, Zwischen- und Endprodukte. Gesehen hat das Logo dieses Prüfsiegels sicher jeder Verbraucher schon einmal, denn es ist das bekannteste.

Die vier Produktklassen und ihre Parameter

  • Produktklasse I Babyartikel
  • Produktklasse II Artikel mit großflächigem oder lange andauerndem Hautkontakt
  • Produktklasse III Oberbekleidung
  • Produktklasse IV Ausstattungsmaterialien

Für die Untersuchung der Produkte wurde ein Kriterienkatalog erstellt, der sich wie folgt darstellt:

  • Verbotene AZO-Farbmittel
  • Formaldehyd
  • Pestizide
  • Krebs- oder allergieauslösende Farbstoffe
  • Chlorierte Phenole und chlororganische Carrier
  • Extrahierbare Schwermetalle
  • Farbechtheit
  • pH-Wert
  • Phtalate in Babyartikeln
  • Zinnorganische Verbindungen etc.

Für die Einhaltung der Prüfparameter sorgt ein weit verbreitetes Netz an Prüf- und Forschungsinstituten in Europa und Japan. Zusätzlich bedient man sich zahlreicher Kontaktbüros in mehr als 40 Ländern der Welt, um die laufende Einhaltung der Kriterien zu garantieren. Testkäufe von Produkten aus dem Handel oder unangemeldete Stichproben mittels zertifizierter Unternehmen sichern die laufenden Kontrollen.

Doch wie sind die Prüfparameter des Oeko-Tex® Standard 100 zu beurteilen?

Der Bekanntheitsgrad dieses Siegels geht einher mit großem Vertrauen seitens der Verbraucher. Denn die Worte Textiles Vertrauen sind schließlich Teil des Logos. Das Wort Öko lässt ökologischen Landbau mit Verzicht auf Pestizide und Genmanipulation vermuten. Auch sogenannte Biologische Baumwolle, faire Arbeitsbedingungen bei den Erzeugern und Herstellern, Verzicht auf Kinderarbeit und noch einiges mehr lässt den Verbraucher glauben, es mit guten und fairen Produkten zu tun zu haben.

Mit gutem Gefühl und gutem Gewissen kauft er die Produkte mit dem vertrauensvollen Logo. Doch die Enttäuschung ist nicht zu vermeiden, wenn nun der Kunde erfährt, dass all diese Kritikpunkte nur eine unbedeutende Nebenrolle spielen. Beispielsweise können sogar Kunstfasern wie Polyester das Siegel des Oeko-Tex® Standard 100 erhalten.

Vermehrt legen Konsumenten großen Wert auf ökologische Produkte und wiegen sich mit einem Slogan wie Textiles Vertrauen (leider fälschlicherweise) in Sicherheit. Sie glauben, ein Produkt kaufen, das genau ihren Vorstellungen von einer gesunden Umwelt entspricht. Kunden vertrauen solchen Prüfsiegeln und hinterfragen selten die Kriterien.

Gerade deshalb und um für Aufklärung zu sorgen sei das Prüfsiegel Oeko-Tex® Standard 100 einmal in seine Bestandteile zerlegt.

Grenzwertiges Verbraucher-Siegel? – Gegenüberstellung mit QUL und IVN

Der Begriff schadstoffgeprüft sagt lediglich aus, dass ein Produkt auf Schadstoffe geprüft wurde, nicht aber, in welcher Menge diese vielleicht vorhanden waren oder ob es eventuell sogar schadstofffrei ist. Schon gar nicht sagt es aus, ob der Kauf empfehlenswert ist. Es könnten also viele krankmachende Stoffe wie Pestizide, Schwermetalle usw. vorhanden sein. Allein der Begriff impliziert jedoch dem Kunden, dass er ein einwandfreies Produkt vorfindet. Der Begriff Textiles Vertrauen hält also nicht, was er verspricht.

Strenger in ihren Kontrollen sind die Prüfsiegel des QUL (Qualitätsverband Umweltverträglicher Latexmatratzen) und des IVN (Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft). Ihre Prüfkriterien sind weit umfangreicher als die des Oeko-Tex® Standard 100. Wichtige Parameter wie Chlorphenole, optische Aufheller, Reibechtheit, aromatische Amine wurden bei Oeko-Tex® Standard 100 erst gar nicht untersucht und die Ergebnisse der aromatischen Amine 4-Aminodipheyl, Benzidin, 4-Chlor-o-toluidin, 2-Naphtylamin und o-Toluidin waren unzulässig. Das Internet (z. B. Wikipedia) gibt weiteren Aufschluss.

Interessierte Verbraucher können sich auch auf der Website Label Online, die von der Verbraucher Initiative e.V., dem Bundesverbrand kritischer Verbraucherinnen und Verbraucher, ausführlich informieren. Dort wird im Übrigen das Label Oeko-Tex® Standard 100 nur als eingeschränkt empfehlenswert eingestuft. Die beiden anderen genannten Labels jedoch als durchaus empfehlenswert.

Ein Beispiel für Oeko-Tex® Standard 100

Wissen sollte der Verbraucher, dass die Schadstoffprüfung der Materialien nicht bereits vor der Herstellung beginnt, sondern erst am fertigen Produkt erfolgt. Die Erzeugung, Herstellung, Arbeitsbedingungen bei der Fertigung und das ökologische Umfeld bei der Produktion finden keinerlei Berücksichtigung. Darauf legt aber die steigende Zahl der Öko-Käufer großen Wert und macht oft die Kaufentscheidung davon abhängig. Gerade weil das Logo von Oeko-Tex® Standard 100 dem Verbraucher suggeriert, dass er dem Produkt vertrauen kann, sei an dieser Stelle am Beispiel von Baumwolle der Ablauf einmal dargestellt.

Größtenteils besteht herkömmliche Baumwolle aus genmanipulierten Sorten. Bis zu ihrer Ernte wird sie ca. 20 Mal mit Pestiziden behandelt, um den Ertrag zu sichern. Nach der Ernte wird sie zum Teil in Reinigungsanlagen mehrfach mit chemischen Reinigungssubstanzen behandelt. In den folgenden Verarbeitungsstufen kommen zur Verarbeitung und Veredelung immer wieder Chemikalien in Form von Farbstoffen und sogenannten Textilhilfsmitteln zum Einsatz.

Erst am Ende dieser Produktionskette steht das Oeko-Tex® Standard 100-Prüfsiegel, also erst nachdem das Material bereits vergiftet ist. Verschiedene Reinigungsvorgänge und ein durchdachter Produktionsablauf stellen am Ende sicher, dass lediglich 5 – 10 % der Rückstände von Chemikalien im Produkt verbleiben und somit das Prüfsiegel vergeben werden kann. Die Umweltfaktoren wie Abwasserbelastung, Vergiftung des Bodens und die Schadstoffbelastung der Luft finden keinerlei Berücksichtigung. Von Kinderarbeit und Lohnsklaverei, die besonders in den asiatischen Ländern zu finden sind, ist erst gar keine Rede.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – was von Oeko-Tex® Standard 100 zu halten ist

Sicherlich muss jeder Verbraucher für sich selbst entscheiden, was ihm wichtig ist. Doch im Kampf für eine gesunde Umwelt und fair gehandelte Produkte kann an dieser Stelle nur empfohlen werden, dass er bei jedem Label, nicht nur bei Oeko-Tex® Standard 100, die Hintergründe und Grundlagen ausführlich hinterfragen sollte.

Der Parameter dabei sollte lauten: Stellt das Verbraucher-Siegel die gleichen Anforderungen wie man selber? Nur so kann sichergestellt werden, dass jeder Produktionsprozess, angefangen von der Bodenqualität und der Ernte, über die Arbeitsbedingungen bis hin zum fertigen Produkt im Geschäft, begleitet und geprüft wurde.

Nur so kann ein Siegel letztendlich wirklich besiegeln, dass in allen Bereichen fair und im Hinblick auf die Verbrauchergesundheit sowie eine gesunde Umwelt, auch ökologisch, gearbeitet wurde. Kritische Verbraucher können dies ermöglichen, wenn sie Produkte mit fehlendem Hintergrund oder mit unzureichenden Prüfsiegeln erst gar nicht kaufen. Denn schließlich hat der Kunde das letzte Wort – der Kunde ist König.

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